Was 1933 im Rathaus geschah

Was 1933 im Rathaus geschah
Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (links) eröffnete die Ausstellung im Alten Rathaus im Beisein seiner Amtsvorgänger Dieter Holzapfel (rechts) und Dietmar Schütz (2. von rechts). Historiker Dr. Karl-Ludwig Sommer (2. von links) hielt den Eröffnungsvortrag. Foto: Sascha Stüber

Was 1933 im Rathaus geschah

Oldenburg. Mit einer Ausstellung im Alten Rathaus ruft die Stadt Oldenburg das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte in Erinnerung: Vor 90 Jahren vollzog sich mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten die Zerschlagung der Demokratie – auch in Oldenburg. Der Ort des historischen Gedenkens an die verhängnisvollen Geschehnisse ist bewusst gewählt: Auch im Oldenburger Rathaus wurde ein gewählter Oberbürgermeister von Nazis abgesetzt und durch einen willfährigen Nachfolger ersetzt. Im Großen Sitzungssaal, also in jenen Räumen, in denen vor neun Jahrzehnten Rechtsstaatlichkeit und demokratische Werte außer Kraft gesetzt wurden, eröffnete Oberbürgermeister Jürgen Krogmann am Freitag, 10. Februar, die vom städtischen Kulturbüro gestaltete Ausstellung, die beleuchtet, wie sich der Umbruch damals in der Kommunalverwaltung abgespielt hat.

„Das Wissen um die Anfänge der ,braunen‘ Jahre Oldenburgs ist eine Mahnung, ähnlichen Fehlentwicklungen entschieden entgegenzutreten“, betonte Krogmann. Der Ausstellungseröffnung schloss sich ein Vortrag von Dr. Karl-Ludwig Sommer an. Der Historiker verdeutlichte am Beispiel der drei in der Zeit seit Anfang der 1930er Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs amtierenden Stadtoberhäupter, welche Auswirkungen die von den Nazis verfolgte Durchsetzung ihres Machtanspruchs für die Verwaltung der Stadt Oldenburg hatte.

Über die ‚braunen‘ Jahre Oldenburgs

Bereits einige Zeit vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war die nationalsozialistische Herrschaft für die Menschen in der Stadt Oldenburg Realität geworden: Nach der Kommunalwahl am 9. November 1930 verfügten die der NSDAP und der DNVP angehörenden Mitglieder über die absolute Mehrheit der Sitze im Stadtrat und nutzten die Sitzungen immer wieder als Bühne für völkische und radikal antidemokratische Debatten.

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Nach der Landtagswahl Ende Mai 1932 kam in Oldenburg dann die reichsweit erste nationalsozialistische Landesregierung mit NSDAP-Gauleiter Carl Röver als Ministerpräsident ins Amt. In der Folge wurden konkurrierende politische Gruppierungen und Andersdenkende eingeschüchtert und mundtot gemacht, um das Land Oldenburg und seine Kommunen nationalsozialistisch „auszurichten“.

Röver suspendierte Anfang Dezember 1932 den bisherigen Oldenburger Oberbürgermeister Dr. Theodor Goerlitz ohne Rechtsgrundlage. Der bereits 1921 gewählte und 1928 vom Stadtrat für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigte Goerlitz galt Zeitgenossen als „aufrechter Demokrat“. Er wurde im Frühjahr 1933 in den Ruhestand versetzt. An seine Stelle trat im Januar 1933 Dr. Heinrich Rabeling, der zunächst als „Parteiloser“ vom Stadtrat gewählt wurde und dann im Mai desselben Jahres in die NSDAP eintrat. Anfang Mai 1945 wurde er von den britischen Militärbehörden abgesetzt und interniert. Aus Rabelings Entnazifizierungsakten geht hervor, dass er nach eigenem Bekunden „stets eine distanzierte Haltung zu den Nazis eingenommen“ haben will. Für Dr. Karl-Ludwig Sommer hingegen ist klar, dass sich Rabeling als „willfähriger Handlanger zur Verfügung gestellt hat“.

In Rabelings Zeit als Oberbürgermeister und Rathaus-Chef stand ihm der mit goldenem NS-Parteiabzeichen dekorierte Gustav Bertram als Bürgermeister und Stellvertreter zur Seite, der laut Sommer mit Protektion von Gauleiter Stöver als „Aufpasser“ fungieren sollte. Während der Einberufung Rabelings zur Wehrmacht war Bertram Chef der Stadtverwaltung. Nach Kriegsende wurde er im Entnazifizierungsverfahren als „minderbelasteter“ Nutznießer des NS-Regimes eingestuft.

Öffnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung im Alten Rathaus ist bis zum 17. Februar zu folgenden Zeiten sehen:
•    Samstag und Sonntag, 11. und 12. Februar, jeweils von 10 bis 16 Uhr
•    Montag, 13. Februar, bis einschließlich Donnerstag, 16. Februar, jeweils von 9 bis 18 Uhr
•    Freitag, 17. Februar, 9 bis 15 Uhr

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Das Rahmenprogramm

Am Sonntag, 12. Februar, um 11 Uhr und am Donnerstag, 16. Februar, um 17 Uhr bietet Historiker Dr. Karl-Ludwig Sommer Ausstellungsgespräche zum Thema „Goerlitz, Rabeling, Bertram – Bürgermeister und Stadtverwaltung in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft“ an. Interessierte werden gebeten, sich per E-Mail an kulturbuero[at]stadt-oldenburg.de anzumelden.

Zudem hält Historiker Udo Elerd am Mittwoch, 15. Februar, ab 19 Uhr einen Vortrag unter dem Titel „Ein fast vergessener Oldenburger: Dr. Theodor Goerlitz, Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg von 1921 bis 1932“. Ausstellungsgespräche und Vortrag finden im Großen Sitzungssaal des Alten Rathauses statt.

Von der Historikerin Gesa Maren Soetbeer angebotene Workshops mit Schülerinnen und Schülern ab der 10. Klasse im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Oldenburg, beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema „Machtwechsel im Oldenburger Rathaus 1933“.

Quelle Pressemeldung von  Stadt Oldenburg