Premiere Schauspiel: Âşıklar – Die Liebenden

Premiere Schauspiel: Âşıklar – Die Liebenden

Premiere Schauspiel: Âşıklar – Die Liebenden

Als Nihan Devecioğlu vor zwei Jahren im Bremer Focke Museum die Filme von Orhan Çalışır und Dirk Meißner bei der Ausstellung „Lebenswege“ anlässlich von 60 Jahren Anwerbeabkommen sieht, ist sie tief berührt. Der Gedanke, sich dem Thema zu widmen, lässt sie nicht mehr los: Sie nimmt Kontakt zu den Filmemachern auf und startet mit ihnen eine Recherche, sie will die Geschichte aus Sicht der Frauen erzählen, die damals nach Deutschland kamen. Vier sogenannte „Gastarbeiterinnen“ hat das Team getroffen, aus den Interviews ist nun ein Abend voller Geschichten und Musik entstanden – in deutscher und türkischer Sprache.

Bei „Âşıklar – Die Liebenden“ knüpft Devecioğlu an eine Tradition der türkischen Volkskultur an, die der reisenden Dichter, der Âşıklar. Der türkische Begriff „Âşık“ bedeutet Liebe sowie Hingabe und steht dabei auch für den anatolischen Minnesänger und Geschichtenerzähler, der seine Poesie auf einer Saz, einer Langhalslaute, erklingen lässt. Gemeinsam mit dem Musiker Matti Weber bringt Nihan Devecioğlu Volkslieder angereichert mit eigenen Kompositionen und Klängen auf die Bühne. Sie erzählt ihre Geschichte, die der vier Frauen – und singt für sie.

„Ich dachte, die Frauen verdienen, dass man von ihnen hört, dass man ihnen einen Raum gibt. Ihre eigene Geschichte kennt. Warum kamen sie nach Deutschland, welche Gefühle hatten sie? Und von diesen Gefühlen möchte ich singen“, sagt Nihan Devecioğlu: „Und ich bewundere diese Frauen – wo kam ihr Mut, ihre Kraft her? Die Entscheidung, ihr eigenes Leben neu anzufangen, in ein fremdes Land zu gehen: Deutschland. Sie wussten nicht, was auf sie zukommt, aber sie taten den Schritt für eine bessere Zukunft. Sie hatten Hoffnung.“

Siehe auch  Theater Bremen lädt Publikum zur Saisonpräsentation ein

Nihan Devecioğlu, aus Istanbul stammend, ist ausgebildete Konzert- und Opernsängerin. Sie hat aus ihrer klassischen Gesangs-Ausbildung eine eigene Stimmpraxis entwickelt, indem sie eine Vielzahl von Techniken in Vokalimprovisationen erkundet und erforscht hat. Nachdem sie an der Bilgi Universität Istanbul ihren Bachelor in Medien und Kommunikationswissenschaften und anschließend an der Technischen Universität Istanbul ihren Master in Musik machte, verschlug es sie 2003 ans Mozarteum in Salzburg, wo sie fünf Jahre lang Gesang und Oper studierte. Dort eignete sie sich die klassische westliche Musiktradition an und hielt gleichzeitig fest an ihren Wurzeln in den Genres der türkischen Sufi- und Volksmusik. Inspiration für ihre Arbeit findet sie in verschiedensten Stilen und Genres der Musik: der Oper, der Avantgarde, der Alten Musik, der Weltmusik, der türkischen Sufi- und Volksmusik sowie in der zeitgenössischen Kunst in verschiedensten Formen. Devecioğlu war 2016 und 2018 bereits mit ihrem multinationalen Ensemble „The Single Camels“ mit Konzerten zu Gast im Theater am Goetheplatz, für die Produktion „Ein Haus in der Nähe einer Airbase“ verantwortete sie die Musik und tritt als Musikerin und Performerin in „Mutter Vater Land“ in der Regie von Frank Abt auf.

Frank Abt wurde 1976 in Laupheim geboren. Während seines Studiums der Theaterwissenschaft in Berlin und Paris assistierte er unter anderem am Burgtheater Wien, an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin und an den Sophiensaelen Berlin. Von 2003 bis 2006 war er als Regieassistent am Thalia Theater Hamburg engagiert, wo erste eigene Regiearbeiten entstanden. Seitdem inszenierte er unter anderem am Münchner Volkstheater, Schauspielhaus Graz, Schauspielhaus Bochum, Maxim Gorki Theater Berlin, Deutschen Theater in Berlin, Schauspiel Stuttgart, Theater Osnabrück sowie am Hans Otto Theater in Potsdam.

Siehe auch  „Mitgefühl ist, wenn man nicht vergisst, dass jede:r eine eigene Geschichte hat“: „Verbundensein“ am Theater Bremen

Seit der Spielzeit 2012/13 ist Frank Abt als Regisseur im Schauspiel am Theater Bremen tätig. Er inszenierte u.a. John von Düffels Familienstück „Robin Hood“, „Die Brüder Löwenherz“ nach Astrid Lindgren, die Uraufführung „Herkunft“ nach dem Roman von Oskar Roehler sowie die deutschsprachige Erstaufführung von Oscar van Woensels „Oedipus“, den Liederabend „Jetzt musst du springen“, Dostojewskis „Der Idiot“, Die Uraufführungen „Ein Haus in der Nähe einer Airbase“ und „Mutter Vater Land“ von Akın Emanuel Șipal und alle Teile der Knausgård-Serie.

Premiere am Freitag, dem 5. Mai um 20 Uhr im Kleinen Haus

Konzept und Künstlerische Leitung:                        Nihan Devecioğlu

Regie:                                                                        Frank Abt

Musik:                                                                       Nihan Devecioğlu, Matti Weber

Bühne und Kostüm:                                                  Andrea Künemund, Sibylle Müngersdorf

Videodesign:                                                              Cantufan Klose

Interview/Video:                                                       Orhan Çalışır, Nihan Devecioğlu

Licht:                                                                         Joachim Grindel

Kamera:                                                                    Dirk Meißner

Dramaturgie:                                                            Elif Zengin, Viktorie Knotková

Übersetzung:                                                             Elif Zengin

Mit:                                                                           Nihan Devecioğlu, Matti Weber. Im Video: Feriha Demirtaş, Makbule Kurnaz, Yıldız Saraç-Fritsche, Emine Ulusen

Pressemeldung von  Theater Bremen