Menschen führen Kriege, Menschen werden krank, Menschen sterben: Ob im Privaten oder im Öffentlichen, wir leben in einer konfliktbeladenen und oft gewaltvollen Welt, machen Erfahrungen von Trauer und Verlust. Wie kann man angesichts von Schicksalsschlägen und Auseinandersetzungen zu einer spielerischen Haltung finden, das fragen sich Choreograf Samir Akika und Unusual Symptoms, die Tanzkompanie des Theater Bremen, in ihrer neuen Produktion „The Last Dance“.
Das Spiel hatte sie thematisch schon bei der Produktion „Joujouville“ interessiert, der Ausgangspunkt dort war allerdings die Kindheit. Jetzt schaut Akika vom anderen Ende des Lebens auf den Begriff des Spiels: Auf einer Bühne, die mit knapp zwei Tonnen schwarzem Sand belegt ist, arbeiten acht Tänzer:innen gegen Widerstände und Widrigkeiten. Auf der Suche nach den Spuren, die ein Verlust hinterlässt und den Tanz-Geschichten, die sich mit ihnen erzählen lassen.
„Die Spuren, die wir hinterlassen, sind nicht einfach Fußabdrücke im Sand, sondern eine unvermeidliche, wenngleich oft stille Gestaltung der Welt und der Menschen darin“, so Samir Akika: „Sie sind Fragmente unserer selbst, die zurückbleiben – Geschichten ohne Worte, die unsere Freuden, Nöte und Entscheidungen widerspiegeln. Spuren sind nicht nur Erinnerungen, sondern in gewisser Weise Geister, die weiter existieren. Selbst der Versuch, keine Spuren zu hinterlassen, hinterlässt oft eine Spur der Abwesenheit. Die beständigsten Spuren finden sich nicht auf dem Boden, sondern in den Herzen derer, denen wir begegnen.“
Geboren in Algerien und aufgewachsen in einem Vorort von Paris, studierte Samir Akika zunächst Physik, Mathematik und Sport in Paris und Miami. Er kam erst spät zum Tanz und studierte an der Folkwang Hochschule in Essen. Seitdem arbeitete er als freischaffender Tänzer und Choreograf mit enger Bindung zum tanzhaus nrw Düsseldorf, dem Theater im Pumpenhaus Münster und dem Goethe-Institut. Seine Arbeiten sind vielfach ausgezeichnet worden.
Neben seinen vielbeachteten Bühnenproduktionen für Erwachsene realisierte er weltweit regelmäßig Projekte mit Jugendlichen. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut entstanden Projekte in u. a. Russland, Südafrika, Bangladesch, Kambodscha, Mexiko, Indien und Usbekistan. 2009 gründete er gemeinsam mit seiner langjährigen Produktionspartnerin Alexandra Morales die Kompanie Unusual Symptoms, mit der er von 2009 bis 2011 die Spitzenförderung Tanz des Landes NRW erhielt. Von 2012 bis 2018 leitete Samir Akika die Tanzsparte am Theater Bremen. 2018/19 übergab er die Leitung an Alexandra Morales und Gregor Runge, seitdem ist er hier Hauschoreograf und arbeitet daneben wieder verstärkt frei, u. a. mit dem Tanzkollektiv La Macana aus Galizien, mit dem 2018 die Arbeit „Pink Unicorns“ entstand. Mit „Pink Unicorns“ erhielt er eine Einladung zur Tanzplattform Deutschland 2020.
Premiere am Freitag, dem 20. Februar um 19:30 Uhr im Kleinen Haus
Pressemitteilung von: Theater Bremen