Studierendenvertretungen der Hochschule Bremerhaven diskutieren mit Bremens Wissenschaftssenatorin

Studierendenvertretungen der Hochschule Bremerhaven diskutieren mit Bremens Wissenschaftssenatorin
Die Vorstandsmitglieder von AStA und Studierendenrat der Hochschule Bremerhaven schilderten Bremens Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling (SPD, Dritte von links) die Situation vieler Studierender in der Seestadt. /Isabelle Epplé, Hochschule Bremerhaven

Studierendenvertretungen der Hochschule Bremerhaven diskutieren mit Bremens Wissenschaftssenatorin

Claudia Schilling und die Vorstände des Allgemeinen Studierendenausschusses und Studierendenrats der Hochschule Bremerhaven sprechen über die finanzielle Situation und das Leben von Studierenden in der Seestadt. Hochschulrektor Alexis Papathanassis wirbt in diesem Zusammenhang für einen Freizeitcampus.

Bremerhaven – Ein Leben unterhalb der Armutsgrenze, fehlende Jobmöglichkeiten und ein wenig attraktives Kulturangebot: Lina Hagedorn und Fabian Lignitz, die dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Hochschule Bremerhaven vorstehen, sowie Jule Petersen und Thao Berthy aus dem Vorstand des Studierendenrats (StuRa) brachten ernstzunehmende Probleme ihrer Kommiliton:innen auf den Tisch. An dem saß ihnen Bremens Wissenschaftssenatorin Dr. Claudia Schilling (SPD) gegenüber, die an die Hochschule gekommen war, um sich vor der Bürgerschaftswahl am 14. Mai mit den Studierenden auszutauschen. „Ich möchte gerne wissen, was Euch bewegt, was Ihr Euch wünscht“, erklärte die Politikerin und bekam von den Studierendenvertreter:innen ein klares Lagebild. Dass die finanzielle Situation für viele Studierende schwierig sei, erläuterte Fabian Lignitz am Beispiel der spät ausgezahlten Energiepauschale. Sie sei als „Weihnachtsgeschenk“ angekündigt worden. Doch Studierende können die Pauschale erst seit Mitte März beantragen. „Vor der Auszahlung war aber der Semesterbeitrag fällig“, fügte der AStA-Vorsitzende hinzu. Viele müssten neben dem Studium arbeiten, was mit der vorgegebenen Regelstudienzeit oft schwer vereinbar sei. „Viele Studierende leben unterhalb der Armutsgrenze, haben aber keinen Zugang zum Bürgergeld und müssen zum Teil die Krankenversicherung selbst bezahlen.“ Nicht selten würden Studierende vor die Wahl gestellt, ihre Eltern auf Unterhalt zu verklagen, da diese den Bafög-Höchstsatz von 870 Euro, an dem sich der Unterhalt der Eltern bemisst, nicht aus eigener Tasche zahlen könnten. „Einige müssen einen Kredit aufnehmen und starten dann mit Schulden ins Berufsleben“, bilanzierte der AStA-Vorsitzende.

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Lina Hagedorn, ebenfalls im AStA-Vorstand, ergänzte, dass gleichzeitig die Wohnsituation in Bremerhaven für Studierende herausfordernd sei: „Günstiger Wohnraum ist aktuell begrenzt, ein WG-Zimmer kostet rund 300 Euro, das geht nur mit einem Nebenjob.“ Da tue sich gleich das nächste Problem auf – für Studierende gebe es in der Seestadt wenig Jobs, die sich mit dem Studium gut vereinbaren lassen. „Mit Glück bekommt man eine Beschäftigung im Hafen“, so Hagedorn. „Viele kellnern, doch da ist wegen der Pandemie viel weggebrochen.“ Wer an der Hochschule einen Job als studentische Hilfskraft zur Unterstützung der Lehre annehme, bekomme sein Geld spät. „Ich muss bis zu zweieinhalb Monate arbeiten, bevor ich die erste Vergütung erhalte“, rechnete Lignitz vor. „Da können wir etwas tun“, versprach die Senatorin und schlug vor, mit Abschlagszahlungen die Situation zu verbessern.

Das griffen die Studierenden gleich auf und schlugen Schilling vor, studentische Jobs auch im Kultur- und Freizeitbereich zu schaffen, was die finanzielle Situation der angehenden Akademiker verbessern und gleichzeitig das Studieren in Bremerhaven attraktiver machen würde. „Aktuell ist es so, dass wenn wir als AStA Partys ausrichten, wir jedes Mal angezeigt werden, trotz Genehmigung“, erklärte Hagedorn. Außerdem verließen viele Studierende Bremerhaven nach dem Ende ihres Studiums, was man wiederum in der Stadt deutlich spüre. Hochschulrektor Prof. Dr. Dr. Alexis Papathanassis, der auch an dem Gespräch teilnahm, warb in diesem Zusammenhang für einen Freizeitcampus: „Es gibt noch etwas außer Seminaren und Vorlesungen. Wir brauchen Wohn- und Freizeitmöglichkeiten, Veranstaltungen und Partys und eine kreative Szene, da können Studierende dann auch jobben.“ Das sei eine klare Win-Win-Situation für die Studierenden und für die Stadt: „Es ist wichtig, die Möglichkeit eines sozialen und kulturellen Lebens mit einem Nebenverdienst für Studierende zu verbinden. Ein Freizeitcampus als Lern- und Veranstaltungsort steigert die Attraktivität des Studienstandorts Bremerhaven und führt auch zu einer Belebung der Innenstadt.“ Papathanassis schlägt vor, das bekannte, an ein Schiff erinnernde Gebäude des Alfred-Wegener-Instituts unweit der Hochschule mit studentischen Aktivitäten neu zu beleben. Bremens Wissenschaftssenatorin zeigte sich sehr angetan von der Idee. „Das Thema Freizeitcampus werden wir nach der Wahl angehen“, versprach Schilling und dankte den Studierenden für den „wichtigen Einblick“ in ihre Situation.

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Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.

Pressemeldung von  Hochschule Bremerhaven