Visuelle Notizen: Studierende der Hochschule Bremerhaven erlernen gehirnfreundliche Sketchnote-Methode für effektiveres Studium

Visuelle Notizen: Studierende der Hochschule Bremerhaven erlernen gehirnfreundliche Sketchnote-Methode für effektiveres Studium
Emotionen mit Strichmännchen darstellen? Prof. Dr. Katharina Theis-Bröhl zeigt, wie das geht. Bildrechte: Hochschule Bremerhaven

Visuelle Notizen: Studierende der Hochschule Bremerhaven erlernen gehirnfreundliche Sketchnote-Methode für effektiveres Studium

Wer während eines Vortrags vor sich hin kritzelt, kann sich das Gesagte nicht nur besser merken, sondern hört auch aufmerksamer zu. Zu diesem Ergebnis sind bereits mehrere Studien gekommen. An der Hochschule Bremerhaven lernen interessierte Studierende, wie sie sich diese Eigenart des Gehirns für ihr Studium zunutze machen können. Mit Sketchnotes statt normaler Mitschriften sollen sie die Inhalte ihrer Lehrveranstaltungen effektiver erfassen und festhalten. Das Angebot kommt gut an: Der Kurs „Visuelle Notizen“ von Prof. Dr. Katharina Theis-Bröhl ist stark nachgefragt.

Kritzeleien als Unterrichtfach während des Studiums? Was zunächst ungewöhnlich klingen mag, ist eigentlich sehr sinnvoll. Denn: Das Gehirn nutzt den größten Anteil seiner Wahrnehmungskapazitäten für die visuelle Erfassung. Werden Bilder mit Texten verknüpft, bleiben die Eindrücke, beispielsweise Inhalte von Vorträgen, besser in Erinnerung. Auf diese Weise lassen sich Mitschriften von Vorlesungen besonders lernfreundlich gestalten. Prof. Dr. Theis-Bröhl bietet daher bereits seit einigen Jahren Seminare zum Erlernen der Methode an. „Ziel ist, dass die Studierenden lernen, sich mit dieser Methode besser auf den Unterrichtsstoff zu fokussieren und mittels ihrer Aufzeichnungen zu einem besseren Verständnis und zu einer höheren Konzentration zu gelangen“, so die Professorin. Anders als bei kurzen Abendkursen, die mittlerweile in fast jedem größeren Ort angeboten werden, haben die Studierenden der Hochschule 14 Wochen Zeit, das Handwerkszeug zu erlernen und die Methode zu üben.

Im Seminar starten die Teilnehmenden mit Grundlagen. Sie erlernen, wie sie visuelle Hierarchien zur Strukturierung ihrer Mitschriften nutzen, Gegenstände und Tiere mit einfachen geometrischen Formen darstellen und welche Symbole sie für bestimmte Worte oder Metaphern nutzen können. „Natürlich braucht es auch etwas Technik, beispielsweise: Wie teile ich meine Seite auf, wie mache ich Überschriften und welche strukturellen Elemente kann ich nutzen? Außerdem lassen wir Emotionen durch Strichmännlein oder Gesichter ausdrücken und lernen auch einiges zu Schrift, zum Beispiel zu Überschriften, normalem Text und Lettering“, sagt Prof. Theis-Bröhl.

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Als erste Hausaufgabe müssen sich die Studierenden in einer Sketchnote selbst vorstellen. Später erarbeiten sie unter Anleitung ihrer Professorin, wie sie eine Geschichte mithilfe von Notizen und Bildern erzählen können und verfassen Sketchnotes zu Filmen und Artikeln. „Wir starten mit einem Video aus der Sendung mit der Maus, gehen dann aber schnell zu schwierigeren Themen über, zum Beispiel dem Klimawandel oder CRISPR. Am Ende steht eine Prüfung zu einem Video, dessen Inhalt die Studierenden in einer einseitigen Sketchnote wiedergeben sollen. Diese wird dann bewertet. In diesem Semester ging es um künstliche Intelligenz: Den Vortrag eines Hirnforschers, der eindrücklich erklärt, warum der Mensch dem Computer immer überlegen sein wird“, so die Professorin.

Bereits zum siebten Mal hat Prof. Theis-Bröhl das Seminar im vergangenen Sommersemester angeboten. „Der Kurs ist immer stark nachgefragt. Einmal musste er sogar in zwei Gruppen angeboten werden, weil sich über fünfzig Studierende dafür angemeldet hatten. In diesem Sommersemester waren es 16 Studentinnen und acht Studenten, die am Kurs teilgenommen haben“, so die Professorin. Ihre Studierenden seien dabei immer sehr engagiert und zuverlässig. „Die Sketchnotes, die im Kurs entstehen, sind einfach phantastisch. Allerdings muss man dazusagen, dass ein Großteil der Teilnehmenden von Haus aus gern zeichnet.“ Künstlerisches Talent müsse dennoch niemand mitbringen, da es um das vereinfachte Darstellen gehe und nicht um möglichst naturgetreue und aufwändige Zeichnungen.

Ob die Studierenden nach dem Seminar ihr Können auch tatsächlich für das Studium nutzen, lässt sich nur schwer nachverfolgen. Aber manchmal bekommt die Professorin doch entsprechende Rückmeldungen: „Ein Teilnehmer ist in mein Seminar gekommen, weil er die Sketchnotes einer Kommilitonin gesehen hat. Ihm ist aufgefallen, dass er deutlich mehr Seiten mit seinen Notizen gefüllt hat als sie und ihre Mitschriften viel übersichtlicher waren. Sie hat ihm dann verraten, wo sie diese Methode gelernt hat.“

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Im kommenden Wintersemester wird ein Seminar zum Erlernen der Sketchnotes-Methode im Studium Generale angeboten. Als Lehrbeauftragte konnte Prof. Dr. Katharina Theis-Bröhl Diana Meier-Soriat, gewinnen, die an der Hochschule schon mehrfach Graphic Recordings bei bestimmten Events angefertigt hat.

Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.

Pressemeldung von  Hochschule Bremerhaven