Teller statt Tank: Bundesregierung muss Agrokraftstoffe angesichts globaler Lebensmittelkrise umgehend aussetzen

Teller statt Tank: Bundesregierung muss Agrokraftstoffe angesichts globaler Lebensmittelkrise umgehend aussetzen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Bundesregierung angesichts der sich abzeichnenden globalen Nahrungsmittelkrise auf, das Verbrennen von Lebensmitteln für sogenannten Agrokraftstoff umgehend zu stoppen. Das ist kurzfristig eine der wirksamsten Stellschrauben, um dem erwarteten Ausfall von Getreide und Ölpflanzen aus der Ukraine und Russland und dem drohenden globalen Preisschock bei Grundnahrungsmitteln entgegenzuwirken. Derzeit werden in Deutschland jährlich über 3,4 Millionen Tonnen Getreide und Ölpflanzen zu Agrokraftstoff verarbeitet und fossilem Diesel und Benzin beigemischt. Getreide aus der Ukraine ist die Grundlage für fast 40 Prozent des in Deutschland eingesetzten Agroethanols, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie des ifeu-Instituts im Auftrag der DUH zeigt.

Die seit vielen Jahren bekannte „Tank oder Teller“-Konkurrenz beim Einsatz von Getreide, Raps und Co. für Agrokraftstoff wird durch den Krieg in der Ukraine nun massiv akut. Die schon vor Kriegsbeginn hohen Weizenpreise sind in den letzten drei Wochen nochmals drastisch gestiegen. Auch in Deutschland sind Mehl und Speiseöle in manchen Supermärkten bereits rationiert. Getreide und andere Nahrungs- und Futtermittelpflanzen im Tank zu verbrennen bedeutet, dass deren Anbauflächen nicht für die Produktion menschlicher Nahrung zur Verfügung stehen. Bei der drohenden Knappheit der Güter verschärft das Nahrungsmittelunsicherheiten und Preisinflation.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, kommentiert: „Der Krieg in der Ukraine ist eine massive Bedrohung für die globale Ernährungssicherheit. Steigende Preise für Grundnahrungsmittel sind auch in Deutschland eine enorme Belastung vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen. In Ländern im Nahen Osten und in Afrika drohen Hungersnöte. In der aktuellen Situation weiter Getreide und andere Lebensmittel in Autotanks zu füllen, ist in keiner Weise vertretbar. Seit Jahren machen wir darauf aufmerksam, dass Agrokraftstoffe Klima und Natur schaden, statt zu helfen. Vor dem Hintergrund der steigenden Nahrungsmittelunsicherheit kann und muss die Bundesregierung jetzt durch ein sofortiges Aussetzen der Subventionen für Agrosprit die Nachfrage nach Getreide und Ölpflanzen reduzieren und die globale Preisspirale entschärfen.“

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Allein in Deutschland dienen derzeit 782.000 Hektar und damit fast 5 Prozent der Agrarfläche dem Anbau von Raps, Getreide und anderen Pflanzen für Agrokraftstoff. Diese Flächen könnten stattdessen für zusätzliche Nahrungsmittelerzeugung und flächeneffizientere erneuerbare Energien wie Solar- oder Windanlagen bereitgestellt werden. Nur aufgrund staatlicher Anreize wird derzeit auf diesen Flächen Agrokraftstoff produziert.

„Die Bundesregierung kann die Verbrennung von Lebensmitteln im Tank mit einem Federstrich stoppen. Für mehr Unabhängigkeit von fossilem Öl taugen die geringen Beimischungen von Agrosprit ohnehin nicht. Stattdessen befeuern sie in der aktuellen Situation eine katastrophale Lebensmittelkrise zusätzlich zur Energiekrise. Was wir jetzt brauchen sind wirksame Maßnahmen, um den Kraftstoffverbrauch schnell und deutlich zu reduzieren. Während der ersten Ölkrise 1973 erließ die damalige Bundesregierung ein Tempolimit von 100 für Autobahnen und 80 auf Außerortsstraßen. Mit dieser Sofortmaßnahme lassen sich bis zu 3,7 Milliarden Liter Benzin und Dieselkraftstoffe einsparen“, ergänzt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Quelle Pressemeldung von  Deutsche Umwelthilfe