Senat stellt Weichen für neue Hochschulleitung

Senat stellt Weichen für neue Hochschulleitung
Das künftige Präsidium der Universität Oldenburg (v. l.): Katharina Al-Shamery, Ralf Grüttemeier, Ralph Bruder, Jörg Stahlmann und Andrea Strübind. Foto: Universität Oldenburg / Daniel Schmidt

Senat stellt Weichen für neue Hochschulleitung

In das fünfköpfige Präsidium der Universität Oldenburg ziehen zum Jahreswechsel drei neue Mitglieder ein: Nach Vorschlag von Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder hat der Senat der Universität heute den Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ralf Grüttemeier als neuen Vizepräsidenten für Forschung und Transfer, die Theologin Prof. Dr. Andrea Strübind als Vizepräsidentin für Studium und Lehre sowie die Chemikerin Prof. Dr. Katharina Al-Shamery als künftige Vizepräsidentin für Akademische Karrierewege, Chancengleichheit und Internationales bestätigt. Das Votum des Senats wird zusammen mit der Stellungnahme des Hochschulrats nun dem Niedersächsischen Wissenschaftsministerium (MWK) zur Entscheidung vorgelegt. Die zweijährige Amtszeit der drei nebenamtlichen Präsidiumsmitglieder beginnt voraussichtlich am 1. Januar 2024. Die achtjährige Amtszeit des hauptamtlichen Vizepräsidenten für Verwaltung und Finanzen, Jörg Stahlmann, läuft noch bis Ende 2027.

Universitätspräsident Bruder erklärte, er freue sich darauf, drei in Forschung und Lehre ausgewiesene und erfahrene Persönlichkeiten als nebenamtliche Vizepräsident*innen begrüßen zu dürfen. Gemeinsam mit Jörg Stahlmann, Vizepräsident für Verwaltung und Finanzen, werde das neue Präsidium die Entwicklung der Universität weiter tatkräftig befördern und getreu dem Motto „Offen für neue Wege“ handeln. Noch bis zum Jahresende währt die Amtszeit des amtierenden Präsidiums. Bruder dankte den drei scheidenden Präsidiumsmitgliedern Prof. Dr. Christiane Thiel, Prof. Dr. Karsten Speck und Prof. Dr. Annett Thiele für „höchstes Engagement zum Wohl der Universität“.

Grüttemeier, künftiger Vizepräsident für Forschung und Transfer, nannte in seiner Rede vor dem Senat eine noch bessere Sichtbarkeit auch der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften als einen seiner Schwerpunkte. Oldenburg habe viel zu bieten – von erfolgreichen strukturierten Promotionsprogrammen bis hin zum historischen Langzeit-Akademienprojekt „Prize Papers“. So wolle er nach Kräften dazu beitragen, „in wissenschaftlichen wie gesellschaftlichen Debatten die Präsenz der hervorragenden Oldenburger Einzel- wie Verbundforschung weiter zu steigern“. Ein weiteres Anliegen sei es ihm, den Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften weiter zu stärken. Gerade in Zeiten vielfältiger Transformationsprozesse – etwa in puncto Energie, Mobilität oder Bildung – werde es „immer wichtiger, dass Forschende aus Natur- und Geisteswissenschaften gemeinsam auf zentrale Fragen blicken“, so Grüttemeier. Er denke dabei auch an zusätzliche Formate, damit dieser interdisziplinäre Dialog noch häufiger gelinge und die Universität als Ganzes voranbringe.

Siehe auch  Karambolage #5: Digitalisierung in der Pflege

Strübind verwies vor dem Senat auf den Reformcharakter der Universität bei ihrer Gründung vor 50 Jahren; dieser zeige sich nicht zuletzt in einer Studienkultur des forschenden Lernens. „Praxisnähe und die Verantwortung für ein kritisches Begleiten gesellschaftlicher Prozesse bleiben relevante Perspektiven“, betonte sie. Gerade nach der Pandemie „täte es uns gut, die Universität als Ort des geistigen Austausches und des gemeinsamen Lernens, ja als akademischen Freiraum für das gemeinsame Forschen und Kommunizieren neu zu entdecken und für diese Studienkultur immer wieder neu zu kämpfen“. Als große Herausforderungen für Studium und Lehre bezeichnete sie die Digitalisierung und die sinnvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Die künftige Vizepräsidentin forderte dazu auf, ganzheitlich auf den Bildungsauftrag der Universität zu blicken, der auch die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden hinsichtlich ihres kritisch-analytischen Denk- und differenzierten Urteilsvermögens umfasse. Dazu gehöre es auch, ihre Mediationskompetenz bestmöglich zu schulen.

Auch Al-Shamery betonte die gesellschaftliche Rolle der Universität, die die Entscheidungsträger*innen von morgen ausbilde und für die oft rasanten Umbrüche in der heutigen, global vernetzten wissensbasierten Welt wappne. „Gerade die Ausbildung der akademischen Talente ist von besonderer Bedeutung, werden sie doch die Zukunft entscheidend mitprägen.“ Im Kontrast dazu stünden die teils prekären Arbeitsbedingungen im Wissenschaftssystem. „Es fehlen die entscheidenden Mittelbaustellen, die eine verlässliche Karriereplanung in der Wissenschaft ermöglichen“, so Al-Shamery. Es gelte einen Weg zu finden, der einerseits eine wertschätzende, sozial sichere Atmosphäre schaffe, in der kreative Köpfe ihren Ideen freien Lauf lassen könnten, und gleichzeitig klare Karrierewege aufzuzeigen. Für akademische Talente seien zudem internationale Netzwerke besonders wichtig. Die Internationalisierungsstrategie der Universität gelte es weiterzuentwickeln und bestehende wie neue Konzepte in puncto Diversität und Gleichstellung noch stärker an der Basis zu verankern.

Siehe auch  Stadt sichert den Verbleib des Unternehmens MEYBAU in Oldenburg

Zu den Personen:

Prof. Dr. Ralf Grüttemeier ist seit 1997 Hochschullehrer für Niederländische Literaturwissenschaft an der Universität. Er studierte Niederländische Philologie, Germanistik und Geschichte in Aachen, Köln und Amsterdam, wo er 1994 auch promovierte. Bevor Grüttemeier dem Ruf nach Oldenburg folgte, lehrte und forschte er in Amsterdam, Köln und Ankara. Schwerpunkte seiner Forschung sind niederländische Literaturgeschichte und die Beziehung zwischen Recht und Literatur. So beschäftigt sich ein aktuelles Projekt mit Literaturkonzepten der juristischen und politischen Eliten in den Niederlanden im vergangenen Jahrhundert. 2010 zeichnete ihn die Universität mit dem „Preis der Lehre“ aus. Grüttemeier war von 2005 bis 2007 und von 2017 bis 2019 Dekan der Fakultät III Sprach- und Kulturwissenschaften. Als Experte wird er nicht zuletzt in den Niederlanden und Flandern geschätzt; so entscheidet er als Mitglied eines Fachkollegiums mit über die flämische Forschungsförderung in den Kunst- und Literaturwissenschaften.

Prof. Dr. Andrea Strübind ist Hochschullehrerin für Kirchengeschichte und Historische Theologie. Sie studierte Evangelische Theologie, Geschichte und Judaistik in Berlin und Jerusalem und promovierte 1990 an der Kirchlichen Hochschule Berlin. 1999 folgte ihre Habilitation an der Universität Heidelberg. Sie lehrte und forschte in Heidelberg und Lüneburg, ehe sie 2006 dem Ruf an die Universität Oldenburg folgte. Von 2013 bis 2017 war Strübind Dekanin der Fakultät IV Human- und Gesellschaftswissenschaften, seit 2017 fungiert sie als Direktorin des Instituts für Evangelische Theologie und Religionspädagogik. Als internes Mitglied gehört sie dem Hochschulrat an, einem zentralen Beratungs- und Aufsichtsgremium der Universität, und ist zudem Vorsitzende der Arbeitsstelle „Interkulturelle Jüdische Studien“. Sie forscht unter anderem zu kirchlicher Zeitgeschichte, religiösem Nonkonformismus und den christlichen Wurzeln der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King.

Siehe auch  Auf Zeitreise mit Rittern und Hofdamen

Prof. Dr. Katharina Al-Shamery ist seit 1999 Hochschullehrerin für Physikalische Chemie und leitet die Arbeitsgruppe Nanophotonik und Grenzflächenchemie. Nach ihrem Chemiestudium in Göttingen und Paris promovierte sie in Zürich und habilitierte sich nach einem Forschungsaufenthalt im englischen Oxford an der Universität Bochum. Zwei Jahre lang leitete Al-Shamery eine Forschungsgruppe am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin, ehe sie zunächst als Professorin an die Universität Ulm berufen wurde. An der Universität Oldenburg fungierte sie von 2010 bis 2014 als Vizepräsidentin für Forschung und übernahm zudem 2014 für anderthalb Jahre kommissarisch das Amt der Präsidentin. Die vielfach ausgezeichnete Wissenschaftlerin bekleidet eine Vielzahl von Funktionen und Ämtern und ist national wie international als Expertin gefragt, etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Europäischen Forschungsrat und seit zehn Jahren als Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Pressemeldung von  Universität Oldenburg