Leseförderung inklusive: Niedersachsen schickt für 200.000 Euro mehrsprachigen Bücherkoffer in Grundschulen

Leseförderung inklusive: Niedersachsen schickt für 200.000 Euro mehrsprachigen Bücherkoffer in Grundschulen

Leseförderung inklusive: Niedersachsen schickt für 200.000 Euro mehrsprachigen Bücherkoffer in Grundschulen

Unter dem Motto „Lesefreude kommt ins Rollen” rollt ab Herbst 2022 der neue „Bücherkoffer Niedersachsen” in ausgewählte Grundschulen. Der auffallend hellblaue Koffer enthält Kinderbücher in bis zu 50 Sprachen. Damit spiegelt er die – auch sprachliche – Vielfalt in unserer Gesellschaft und Schülerschaft in vielen Schulen wider. Die Bücher sind altersgerecht und so gestaltet, dass sie Neugier und Freude am Lesen wecken – und das mit Blick auf viele Nationalitäten.

Zunächst soll der Koffer durch 30 niedersächsische Grundschulen rollen – vorzugsweise durch Schulen mit vielen Schülerinnen und Schülern aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Im kommenden Jahr werden 30 weitere Grundschulen in das mehrsprachige Lese-Projekt einsteigen. Die teilnehmenden Grundschulen werden von den Sprachbildungszentren der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung mit Blick auf kulturelle und soziale Heterogenität ausgewählt. Der Bücherkoffer begleitet dann die Klassen über die Dauer des ersten oder zweiten Schuljahres. Insgesamt können damit bis zum Schuljahr 2026/2027 etwa 900 Grundschulklassen in Niedersachsen von dem Programm zur Leseförderung profitieren.

„Es gilt unwidersprochen, dass Lesekompetenz wesentliche Grundvoraussetzung für eine gelingende Bildungsbiografie ist”, erklärt dazu Kultusminister Grant Hendrik Tonne und fügt an: „Mit dem Bücherkoffer leisten wir – ergänzend zur wertvollen Arbeit der Lehrkräfte in den Grundschulen – einen weiteren frühen Beitrag zur sprachlichen Bildung der Kinder. Das niedrigschwellig und mehrsprachig angelegte Angebot fördert die Kompetenz Lesen insgesamt sowie das Lesen in den unterschiedlichen Familiensprachen der Kinder. Die Kinder erfahren, dass ihre Sprache, ihre Kultur und ihre individuelle Familienkonstellation normal sind.

Sprachen- und Kulturvielfalt wird damit besonders wertgeschätzt und als bereichernd empfunden.  Ich freue mich, dass wir dieses in Ostfriesland erprobte Projekt jetzt niedersachsenweit anbieten können und danke vor allem dem Verein coach@school für seine Unterstützung.”

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Das Verfahren: Jede Woche nimmt ein Kind den knallblauen Koffer mit nach Hause, um in den mehrsprachigen, interkulturellen und inklusiven Büchern zu stöbern und zu lesen. Dabei spielt Beziehungs- und Elternarbeit eine wichtige Rolle: Zusatzangebote – ebenfalls mehrsprachig – unterstützen Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte bei der Begleitung der Kinder.

In dem Koffer befinden sich zwölf mehrsprachige, interkulturelle und inklusive Kinderbücher in bis zu 50 Sprachen (unter anderem Türkisch, Arabisch, Farsi, Russisch, Spanisch, Bulgarisch, Rumänisch) sowie erzählerische Bilderbücher mit wenig Text. Die in den Büchern vorgestellten Protagonisten und Geschichten zeichnen sich durch eine große Vielfalt in Bezug auf Herkunft, Sprache, Familie, Aussehen, Gesundheit und andere Merkmale aus. Betont wird nicht das Besondere, sondern die Normalität des Andersseins.

Entwickelt wurde das Bücherkoffer-Programm vom Verein coach@school in Hamburg auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Für Niedersachsen getestet wurde der „Bücherkoffer” zunächst in acht ostfriesischen Grundschulen. Angeboten wird das Projekt außerdem bereits unter anderem in Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Finanziert wird der Niedersachsen-Koffer aus Mitteln der sogenannten „politischen Liste” der Landesregierung zur Stärkung der Grundkompetenz Lesen, Schreiben, Rechnen inklusive Sprachförderung mit jeweils 100.000 Euro für das Jahr 2022 und 2023.

Tonne abschließend: „Damit ergänzen wir unsere bisherigen Maßnahmen zur Leseförderung um einen weiteren Baustein. Mit ´Lesen macht stark´, dem ´Leserolli´ sowie der Unterstützung der Leseförderung durch Ehrenamtliche über die Akademie für Leseförderung haben wir hier bereits wichtige Akzente gesetzt. Auch die neuen Materialien im Projekt RESO zur strategischen Rechtschreiborientierung – erarbeitet von Niedersachsen und NRW im Rahmen der Bund-Länder-Initiative ´Bildung durch Sprache und Schrift – sind ein weiterer Baustein in dieser Reihe.”

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Pressemeldung von  Niedersächsisches Kultusministerium