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Erinnerung an Opfer der NS-Krankenmorde

Famila 2

Oldenburg. Seit Anfang August steht in der Nähe des Parkplatzes zum
Blankenburger See und gegenüber der Einfahrt zur derzeitigen niedersächsischen
Landesaufnahmebehörde, dem ehemaligen Kloster Blankenburg, eine städtische
Informationsvitrine. Sie wurde auf Initiative von Schülerinnen und Schülern der
Freien Waldorfschule Oldenburg aufgestellt und gibt Auskunft über die
Leidensgeschichte von Menschen, die an diesem Ort Opfer der NS-Euthanasie wurden.

Von 1937 bis 1941 waren in der Klosteranlage überwiegend Jugendliche und Kinder
mit geistigen und körperlichen Einschränkungen untergebracht, die aus der
„Unterrichts- und Pflegeanstalt Gertrudenheim“ an der Nadorster Straße
hierher verlegt wurden. Die Schülerinnen und Schüler haben gemeinsam mit ihrem
Lehrer Christian Hauck-Hahmann und dem Oldenburger Historiker Dr. Ingo Harms seit
2014 in Archiven und Kirchenbüchern nach Namen und Lebensdaten sowie nach
Umständen der hier Verstorbenen geforscht.

Ihre Untersuchungen ergaben, dass viele der hier untergebrachten Jugendlichen und
Kinder aufgrund schlechter Behandlung, Unterernährung und in der Folge an
Tuberkulose starben. Als sie im September 1941 von Blankenburg in die Anstalten
Erlangen und Kutzenberg deportiert werden sollten, waren bereits 103 von ihnen
tot.

Für den Umbau des Klosters Blankenburg in ein Baracken-Krankenhaus wurden im
Dezember 1941 Fundamente ausgehoben und der Klosterfriedhof eingeebnet. Dabei
wurden auch die Gräber der hier seit 1892 Begrabenen zerstört. 52 Leichen
wurden jedoch vor Baubeginn auf den Neuen Friedhof Oldenburg umgebettet, wo sie
allerdings in Vergessenheit gerieten, weil sie gänzlich ohne Bezeichnung
blieben. Erst siebzig Jahre später wurde entdeckt, dass unter einem mit Linden
bepflanzten Rasenstreifen die 52 Opfer der Blankenburger Krankenmorde ruhen.

Öffentlichkeitswirksam setzten sich die Schülerinnen und Schüler für die
Stiftung von Grabsteinen und Infotafeln für die in Blankenburg verstorbenen
Pfleglinge ein. Seit 2018 gibt es auf dem Neuen Friedhof nun ein Feld mit
einzelnen Grabsteinen, auf denen ihre Namen, Geburts- und Todesdaten zu lesen
sind. Eine Gedenktafel informiert über die Forschungsgeschichte. Die jetzt
aufgestellte Informationsvitrine vor den Toren des ehemaligen Klosters
Blankenburg bringt die Untersuchungen der Schülerinnen und Schüler zum
Abschluss. Die Vitrine steht auf städtischem Grund und Boden. Die Eigentümer
des Klosters hatten die Aufstellung einer Gedenktafel auf dem Klostergrundstück
abgelehnt.