Wasservogelsterben am Flötenteich: Kadaver werden untersucht

Wasservogelsterben am Flötenteich: Kadaver werden untersucht

Wasservogelsterben am Flötenteich: Kadaver werden untersucht

Tote Enten und schwache Schwäne: Es ist ein trauriges Bild, das sich seit Anfang des Monats am Flötenteich zeigt. Seit dem 1. September beschäftigt ein vermehrtes Wasservogelsterben am Flötenteich das Veterinäramt und die Feuerwehr der Stadt Oldenburg. Dr. Paul Morthorst, Leiter des Veterinäramtes, erklärt: „Anfangs ist das Veterinäramt davon ausgegangen, dass es sich hier – ähnlich wie bei dem gehäuften Fischsterben an der Oder – um Fäulnisprozesse durch Algen in Verbindung mit dem niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser handeln wird.“ Doch kurze Zeit später traten weitere Fälle auf. Deshalb wurden zwei verendete Tiere, eine Stockente und ein Jungschwan, noch am 1. September zur amtlichen Diagnostik in die Pathologie des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz (LAVES) gebracht.

Erstes Ergebnis: Keine Geflügelpest

Das Ergebnis aus der Pathologie liegt seit Freitag, 8. September, vor. Demnach waren die beiden von der Feuerwehr ausgesuchten Tiere in einem schlechten Zustand. Die Ente war in einem so weit fortgeschrittenen Fäulniszustand, dass sie nicht mehr weiter untersucht werden konnte. Der Jungschwan war extrem abgemagert, zeigte aber keine Veränderungen, die auf eine etwaige Vergiftung hindeuten. Virusinfektionen wie Geflügelpest, ND (Newcastle-Disease), das USUTU und das West-Nil-Virus konnten nicht nachgewiesen werden.

Aktuelle Funde: Verdacht auf Botulismus

Am Montag, 12. September, wurden sechs tote Enten eingesammelt und zwei lebende Enten sowie ein schwacher Jungschwan zum Tierarzt gebracht – doch auch für die drei letztgenannten kam die Hilfe zu spät. Dr. Morthorst, der alle Tiere dieses Tages begutachtet hat, sieht Gemeinsamkeiten und äußert einen ersten Verdacht: „Die gefundenen lebenden und schwerkranken Tiere sind allesamt abgemagert. Bei der noch lebenden, schwachen Ente konnten wir feststellen, dass sie versucht hat Wasser aufzunehmen, es aber nicht geschafft hat. Das spricht für eine Erkrankung der Tiere durch das Botulismus-Toxin, also einem Gift des Bakteriums Clostridium botulinum; dies führt bei den Tieren zu einer fortschreitenden schlaffen Lähmung der Muskulatur ‚kopfabwärts‘, die auch eine sogenannte Schlinglähmung nach sich zieht.“

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Deshalb werden nun alle gestern gefundenen Tiere einer allgemeinen toxikologischen Untersuchung und auch einer speziellen Untersuchung auf das Botulinum-Toxin unterzogen. Das Ergebnis liegt jedoch voraussichtlich erst in zwei Wochen vor.

Was ist Botulismus?

Botulismus ist eine eher seltene, jedoch sehr ernste Krankheit primär bei Nutztieren (Geflügel, Rind, Pferd). Die Erkrankung wird durch das Gift der Bakterien ausgelöst und ist nicht von Tier zu Tier übertragbar, weshalb für Personen, die Kontakt zu Tierkadavern hatten, keine über die allgemeinen Hygienemaßnahmen (Hände waschen und desinfizieren) hinausgehenden besonderen Maßnahmen erforderlich sind.

Ursache des Botulismus sind die Botulinum Neurotoxine (BoNT). Diese Toxine sind hochgiftige Stoffwechselprodukte, die von in der Umwelt weit verbreiteten Clostridien gebildet werden. Vor allem in heißen Sommern kann es in sauerstoffarmen Tümpeln und Teichen zu einer explosionsartigen Vermehrung von Clostridium botulinum und der entsprechenden Freisetzung des Bakteriengiftes kommen. Verstärkt wird dieser Effekt durch abgestorbene Wasserpflanzen oder im Zusammenhang mit einem Fischsterben.

Wie äußert sich Botulismus?

Das von den Bakterien gebildete Gift (Toxin) kann bei Aufnahme durch ein Tier – hier zum Beispiel durch Wassergeflügel – zu der Krankheit Botulismus führen. „Die Tiere können weder Futter noch Wasser aufnehmen und haben Schwierigkeiten, den Kopf zu heben. In einem späteren Krankheitsstadium sind diese auch nicht mehr lauf- oder flugfähig. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Toxinaufnahme und der Erkrankung, kann zwischen 18 Stunden und mehreren Tagen liegen. Eine Übertragung direkt von Tier zu Tier ist nicht möglich – wohl aber kann die Erkrankung bei mehreren Tieren zeitgleich auftreten, sofern diese beispielsweise dasselbe kontaminierte Futter oder Wasser aufgenommen haben“, erklärt Morthorst. Botulinumtoxin gehört zu den stärksten Giften weltweit.

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Ist Botulismus für Menschen gefährlich?

In dieser Situation, wie sie sich akut am Flötenteich darstellt, geht keine Gefahr für Menschen aus. Es gibt jedoch verschiedene Formen des Botulismus, an denen unter anderem auch Menschen erkranken können. Der Lebensmittelbotulismus ist die häufigste Form davon in Deutschland. Er wird durch die Aufnahme von Toxin-kontaminiertem Lebensmittel verursacht. Die Dauerformen (Sporen) des Erregers werden bei nicht ausreichender Erhitzung von Lebensmitteln nicht abgetötet. Sporen können in Lebensmitteln unter anaeroben Bedingungen auskeimen und Toxine bilden. Die Neurotoxine selbst sind hitzelabil und werden bei Temperaturen oberhalb von 80 Grad zerstört. Wird ein durch Toxine kontaminiertes Lebensmittel jedoch unerhitzt verzehrt, können schon kleinste Mengen des Toxins einen Botulismus auslösen.

Über den Flötenteich

Beim Flötenteich handelt es sich um ein stehendes, sehr nährstoffreiches Gewässer, bei dem es leider häufiger zu solchen Fällen kommen kann. Es erfolgt zusätzlich eine amtliche Wasserprobenentnahme. Die Stadtverwaltung weist nochmals ausdrücklich darauf hin, dass der Flötenteich kein Badegewässer ist.

Richtiges Verhalten bei einem Kadaverfund

Grundsätzlich sollten weitere gefundene Kadaver oder schwache Tiere nicht angefasst und stattdessen beim ServiceCenter der Stadt unter 235-4444 gemeldet werden, damit die Feuerwehr diese entfernen kann. Im Bereich des Flötenteichs sollten Hunde angeleint geführt und von Kadavern ferngehalten werden. Katzen sollten in diesem Bereich nicht frei streunen.

Quelle Pressemeldung von  Stadt Oldenburg