Oldenburg ist wieder da – mit Kohl und (veganer) Pinkel im Gepäck

Oldenburg ist wieder da – mit Kohl und (veganer) Pinkel im Gepäck
Ein vollbesetzter Saal in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin ist am Montag, 6. Februar, beim 64. Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten zu erwarten. Archivfoto: Torsten von Reeken

Oldenburg ist wieder da – mit Kohl und (veganer) Pinkel im Gepäck

Liegt es an den prominenten Namen an der Spitze der Gästeliste mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey als amtierender Kohlkönigin und Bundesfinanzminister Christian Lindner als Ehrengast? Oder am erstmalig auch vegan angebotenen Grünkohlgericht? Oder ist es schlichtweg die große Vorfreude auf den Re-Start nach zweijähriger Pandemie-Pause? Fest steht: Das traditionelle „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in Berlin hat nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Die 64. Auflage, mit der die Stadt Oldenburg ihre Visitenkarte auf bundespolitischem Parkett hinterlässt, lockt am Montag, 6. Februar, zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem öffentlichen Leben in die Niedersächsische Landesvertretung. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann freut sich über Anmeldungen von 270 Gästen. „Damit werden voraussichtlich alle Plätze an den Tischen besetzt sein“, sieht Gastgeber Krogmann einem vollen Atrium in der Landesvertretung und einem interessanten Abend in der Bundeshauptstadt entgegen.

Lob für Rekord-Regentin Giffey

Franziska Giffey geht wegen der zweimaligen Absage des Gröönkohl-Ätens als am längsten amtierende Regentin in die Geschichte der Traditionsveranstaltung ein. Seit März 2020 hat sie – zunächst als Bundesfamilienministerin, dann als Berliner „Landesmutter“ – die Würden der Kohlmajestät getragen. „Franziska Giffey hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Durch ihre zugewandte und herzliche Art konnte sie die Gunst des Kohlvolks im Handumdrehen gewinnen“, blickt Oberbürgermeister Jürgen Krogmann auf den im Dezember vorigen Jahres erfolgten Oldenburg-Besuch von Berlins Regierender Bürgermeisterin zurück.

Finanzminister Lindner ist Ehrengast – und mehr?

Am Montag, 6. Februar, heißt es für Franziska Giffey nun, Abschied zu nehmen. Wer ihre Nachfolge antreten wird – hoch gehandelt wird der Name von Ehrengast Christian Lindner – entscheidet sich tatsächlich erst am Abend der Veranstaltung, wenn sich das Kurfürsten-Kollegium unter dem Vorsitz von Dietmar Wischmeyer zur Beratung zurückzieht. Der scharfzüngige Satiriker wird anschließend in seiner Paraderolle als „Günther, der Treckerfahrer“ die Rede zur Inthronisierung halten und die vom Kollegium getroffene Wahl launig begründen. Als Kurfürsten fungieren Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, der gleichzeitig auch Schirmherr des Kohlessens ist, Stefan Dohler (EWE), Michael Thanheiser (LzO), Jürgen Müllender (Öffentliche), Marc Ampaw (OLB), Thomas Mehls (CEWE) und Tim Junghans (Nord/LB). Die drei Letztgenannten gehören erstmals dem Kollegium an.

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Bundes- und Landespolitik ist stark vertreten

Ein bekanntes Gesicht unter den Berliner Gästen ist hingegen Dietmar Bartsch, der Fraktionschef der Linken im Bundestag, der regelmäßig an der Traditionsveranstaltung teilnimmt. Auch die Co-Fraktionschefin der Linken, die Oldenburgerin Amira Mohamed Ali, hat ihr Kommen zugesagt. Für bundespolitisches Flair sorgen diesmal zudem die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Silvia Dreher, Katja Keul (Grüne), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sowie vier Staatssekretärinnen und Staatssekretäre aus Bundesministerien und acht Bundestagsabgeordnete.

Nicht minder stark repräsentiert ist das Niedersächsische Landeskabinett: Gleich sechs Ministerinnen und Minister haben sich angemeldet (Stand 2. Februar): Daniela Behrens (Inneres und Sport), Olaf Lies (Wirtschaft, Bauen, Verkehr und Digitalisierung), Christian Meyer (Umwelt, Energie und Klimaschutz), Wiebke Osigus (Bundes- und Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung), Dr. Andreas Philippi (Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung) sowie Miriam Staudte (Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz). Auch Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD) sowie Spitzen der Landtagsfraktionen, Grant Hendrik Tonne (SPD), Detlev Schulz-Hendel (Grüne) und Sebastian Lechner (CDU), stehen ebenso wie mehrere Staatssekretäre und Landtagsabgeordnete auf der Gästeliste.

Von Kirche bis Kicken

Hinzu kommen zahlreiche Teilnehmende aus vielfältigen Bereichen des öffentlichen Lebens. Dazu zählen unter anderem Bischof Thomas Adomeit, Uni-Präsident Prof. Dr. Dr. Ralph Bruder, sein Pendant an der Jade Hochschule, Prof. Dr. Manfred Weisensee, Staatstheater-Generalintendant Christian Firmbach, Generalleutnant Markus Laubenthal, stellvertretender Generalinspekteur der Bundeswehr, sowie Wahl-Berliner Wolfgang Sidka als Präsident des VfB Oldenburg.

Top-Service durch Auszubildende

Den Service übernehmen auch in diesem Jahr wieder der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) und die Berufsbildenden Schulen 3 mit hoch engagierten Nachwuchskräften. Unter der Anleitung von acht Lehrkräften betreuen 36 Auszubildende des Hotel- und Gastronomiegewerbes aus der Region Oldenburg die Gäste an den Tischen.

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Was auf die Teller kommt – erstmals vegane Pinkel auf der Speisekarte

Grünkohl, Pinkel und Kochwurst, Speck und Kasseler stammen aus original Oldenburger Herstellung von der Oldenburger Fleischerei Bartsch und dem „Bümmersteder Krug“. Auf die Teller kommen voraussichtlich 200 Kilogramm Grünkohl, 60 Kilogramm Fleischpinkel, 95 Kilogramm Kasseler-Kotelett ohne Knochen, 50 Kilogramm Kochmettwurst sowie 38 Kilogramm geräucherter Speck – alles aus Biofleisch-Produktion. Außerdem werden Bio-Kartoffeln aus ökologischem Anbau gereicht. Erstmals auf der Speisekarte steht ein veganes Grünkohlgericht mit Pinkel, die die Wildeshauser Fleisch- und Wurstwerkstatt Tonn ganz ohne tierische Zutaten herstellt. „Sicherheitshalber haben wir vorher probiert“, sagt Protokollchef Christian Kranz. Für den bekennenden Fleischesser war „kaum ein Unterschied herauszuschmecken“. Davon können sich beim Gröönkohl-Äten nun auch diejenigen Gäste überzeugen, die fleischlose Ernährung bevorzugen. Etwa zehn Prozent der Teilnehmenden haben sich für die vegane Alternative entschieden. Ihnen werden dazu auch vegane Bratwürste und ebenfalls Bio-Kartoffeln kredenzt.

Löffeltrunk, Käse, Musik und Spenden

Alles beim Alten bleibt hingegen bei den Getränken: Der berühmte „Löffeltrunk“ – gefüllt mit gutem Schnaps – kommt wie immer aus dem Hause Hullmann. Das Pils dazu liefert das Friesische Brauhaus zu Jever. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen e.V., die Deutsches Milchkontor GmbH und die Molkerei Ammerland eG versorgen die Gäste in der Cafeteria mit Käsespezialitäten. Musikalisch begleitet wird der Abend von der „Jazz-Koalition“. Die gemischte Combo besteht aus Dozenten der Musikschule der Stadt Oldenburg und musikalischen Gästen aus Berlin. Die Gäste des Kohlessens werden auch bei der diesjährigen Ausgabe um eine Spende gebeten. Die Erlöse gehen an das Atelier Blauschimmel (Inklusive Kunst), das Kinderschutzzentrum Oldenburg und die Integrationsarbeit des DRK-Begegnungszentrums KAISER 19.

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Lange Tradition von Bonn bis Berlin

Das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ wurde im Jahre 1956 in der alten Bundeshauptstadt Bonn aus der Taufe gehoben. Seit 1998 findet es in Berlin statt. Viermal musste die Veranstaltung ausfallen: 1962 (Hochwasserkatastrophe), 1991 (Golfkrieg) sowie 2021 und 2022 (Corona-Pandemie).