Beziehungen zwischen den Generationen in Europa aushandeln

Beziehungen zwischen den Generationen in Europa aushandeln

Welche Rolle spielt in Europa aktuell die Solidarität zwischen den Generationen? Wie entwickelt sie sich nach der Pandemie und vor dem Hintergrund neuer gesellschaftlicher Herausforderungen? Und welche Visionen für intergenerationelle Zukünfte lassen sich daraus ableiten? Das untersuchen ab sofort Forschende aus Oldenburg, Erlangen, Norrköping (Schweden) und London (Großbritannien) unter Leitung des Oldenburger Wissenschaftlers Prof. Dr. Mark Schweda. Schweda leitet die Abteilung Ethik in der Medizin am Department für Versorgungsforschung der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften an der Universität Oldenburg. Die VolkswagenStiftung fördert das auf vier Jahre angelegte Vorhaben mit rund 1,3 Millionen Euro.

Ziel des internationalen Forschungsprojekts ist es herauszufinden, wie Solidarität zwischen den Generationen in den einzelnen Ländern verstanden wird und was sich daraus für gegenwärtige und zukünftige Krisen lernen lässt. Unter anderem auf dieser Basis wollen die Forschenden Visionen für einen neuen Generationenvertrag entwickeln, der auch in Krisenzeiten anwendbar ist.

Insbesondere während der Covid-19-Pandemie hatte das Thema Solidarität in der Öffentlichkeit eine große Bedeutung. Damals galten zum Beispiel Einschränkungen für alle, um besonders gefährdete Risikogruppen wie ältere Menschen zu schützen. Entwicklungen wie demographische Veränderungen und der Klimawandel sind aktuelle Herausforderungen in Europa, in deren Kontext sich ebenfalls grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Solidarität zwischen den Generationen stellen.

Das Team um Schweda erforscht in einem ersten Schritt, wie die Öffentlichkeit die Solidarität zwischen den Generationen während der Pandemie wahrnahm. Dabei untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler politische Stellungnahmen, ethische Empfehlungen und mediale Diskurse aus Deutschland, Großbritannien und Schweden. Zudem kommt die Bevölkerung zu Wort: zunächst in Kleingruppeninterviews, später in einer Online-Umfrage mit 3.600 Teilnehmenden pro Land. Im zweiten Schritt analysieren die Forschenden alle erhobenen Daten aus ethischer Perspektive und tragen diese im dritten Schritt dann mit Diskussionsformaten zurück in die Öffentlichkeit. In allen drei Ländern wollen sie mit Bürgerinnen und Bürgern in den Austausch gehen, um gemeinsam mit ihnen Ideen und Vorstellungen von intergenerationeller Solidarität zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen einen Beitrag dazu leisten, den Zusammenhalt zwischen den Generationen in Europa insgesamt neu auszuhandeln.

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Schweda forscht in Oldenburg mit seinem Wissenschaftlichen Mitarbeiter, dem Medizinethiker Niklas Ellerich-Groppe, und zwei Promovierenden in dem Projekt. Der Soziologe und Gerontologe Prof. Dr. Andreas Motel-Klingebiel von der Linköping University (Schweden), die Soziologin Dr. Larissa Pfaller von der Universität Erlangen-Nürnberg und der Soziologe Prof. Dr. Paul Higgs vom University College London (Großbritannien) komplettieren das Team. Der vollständige Titel des Projekts lautet: „The Future of Intergenerational Solidarity beyond the Pandemic: Empirically-Informed Ethical Analysis and Public Deliberation“ („Die Zukunft der Solidarität zwischen den Generationen nach der Pandemie: Empirisch informierte ethische Analyse und öffentliche Deliberation“).

Pressemeldung von  Universität Oldenburg