KammerKultur in geheimen Räumen

KammerKultur in geheimen Räumen
Streichermusik auf dem Dachboden des Degode-Hauses: Das Projekt „KammerKultur“ zeigt ungewöhnliche Orte des Kunsterlebens. Foto: Sebastian Netta

KammerKultur in geheimen Räumen

Oldenburg. Eine Cellistin übt in einer stillen Kammer. Klassische Streichermusik auf dem Dachboden des ältesten Hauses in Oldenburg. Mediterrane Pflanzen in einem alten Gewächshaus, die per MIDI-Computer musizieren. Ein Jazzmusiker im Dialog mit den Pflanzen unter dem Glasdach des Gewächshauses. Ungewöhnliche Orte für Kultur, geheime Orte, Escape-Rooms vom öffentlichen Trubel. All das können Zuschauerinnen und Zuschauer, Hörerinnen und Hörer erleben beim Projekt „KammerKultur in geheimen Räumen“ auf der zugehörigen Website www.kammerkultur.de. Zusätzliche Besonderheit: Mit Hilfe einer neuartigen Technik kann das individuelle Erleben und Erkunden der geheimen Räume auf Youtube selbst gesteuert werden.

Im Dezember 2021 haben Yvonne Franke und Sebastian Netta den Auftrag vom Kulturbüro der Stadt Oldenburg erhalten, im Rahmen des Kunstprojekts zwei 360-Grad-Videos zu erstellen. „In Zeiten von Corona, Lockdown und Veranstaltungsverboten hat sich notgedrungen auch das Kulturleben aus der Öffentlichkeit zurückgezogen in private, intime Räume“, schildert Christiane Maaß vom Kulturbüro. „Was aus der Not heraus entstanden ist, hat ein bislang ungeschöpftes Potenzial zutage gebracht. Kultur findet an neuen, individuellen Orten statt, die es zu entdecken gilt. Das Publikum selbst kann an diesen Entdeckungen aktiv teilhaben. Es schafft sich seine eigenen geheimen Räume, in der die aus der Öffentlichkeit verdrängte Kultur Zuflucht findet. Es sind also sozusagen Escape Rooms für Kultur entstanden.“

Die 360-Grad-Video-Technik wird bislang vornehmlich beim Sport oder im Immobilienbereich eingesetzt. Die Technologie, insbesondere die Audiotechnologie des Spartial Audio (3D Audio) bei Youtube, befindet sich noch in den Anfangsstadien ihrer Entwicklung. „Wir als Künstler lassen uns immer wieder auf Unbekanntes und Neues ein, um die künstlerische Relevanz zum Beispiel von Videotechnologie zu erweitern“, berichtet Sebastian Netta. „Mithilfe des Kunstauftrages durch die Stadt Oldenburg konnten wir ein neues und verbindendes Element der Youtube-Welt hinzufügen. Dieses Projekt ist einzigartig und der Beginn einer Reihe von künstlerischen Hybrid-Konzeptionen, die wir etablieren möchten.“

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Bei der „KammerKultur in geheimen Räumen“ steht jedoch nicht die Technologie im Vordergrund, sondern die Darstellung von Raum und künstlerischen Fähigkeiten, oder auch die ungeschönte Darstellung von Arbeitsvorgängen. Die beteiligten Musikerinnen und Musiker Gerke Jürgens (Cello) und Martin Flindt (Gitarre) haben sich im Sinne von „Work in Progress“ eingebracht. Das Projekt entfaltet aber erst seinen vollen Reiz, wenn die Betrachtenden die Regie im Raum übernehmen und sich die Zeit nehmen, den Raum auf sich wirken zu lassen. Seine Eindrücke kann das Publikum über Kommentarfunktionen unter den Videos einbringen.

„Die Videos sind in unserer Website eingebettet und können in 360 Grad auf Youtube selbst oder in der App auf dem Handy angesehen werden, wenn es sich drehen soll“, erklärt Sebastian Netta. „Auch der Sound wandert mit. Das hört man aber nur, wenn man Kopfhörer trägt.“ Nettas Tipp für den besonderen Hörgenuss lautet, seine Anlage an den Rechner anzuschließen und direkt neben diesem aufzustellen.

Quelle Pressemeldung von  Stadt Oldenburg