Frankenstein, Telemedizin und Sepsis unter der Lupe

Symposium Intensivmedizin + Intensivpflege mit breitem Themenspektrum

Der Schauerroman „Frankenstein“, gelesen von einer bekannten deutschen Schauspielerin, der erste „Science Slam“, Gesundwerden und Sterben auf Intensivstationen, Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer und Telenotfallmedizin für Menschen auf Halligen – das Themenspektrum des Symposiums Intensivmedizin + Intensivpflege ist immer breit gesteckt. Auch zieht es stets ein großes Publikum an: Im Vorjahr führte der größte verbandsunabhängige Kongress auf seinem Sektor mehr als 4.700 Teilnehmende zu Vorträgen und Workshops, Diskussion und Networking zusammen. 2019 treffen sich Ärzte, Pflegende und Fachleute aus Krankenhausverwaltungen von Mittwoch bis Freitag, 20. bis 22. Februar, in der Messe Bremen und im Congress Centrum Bremen.

Inhaltlich spielen erneut Kernthemen aus Intensivmedizin und -pflege, Anästhesie und Notfallmedizin sowie Krankenhausmanagement die Hauptrolle. „Dabei stehen diverse aktuelle Themen auf dem Programm“, berichtet die Leiterin des Bereiches CONGRESS BREMEN und Gastveranstaltungen, Kordula Grimm. So widmet sich die „Hot Topic“-Sitzung diesmal dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das seit Januar gilt und unter anderem Personaluntergrenzen auf Intensivstationen vorgibt. Die Frage hier: Wie realistisch sind die Regelungen? Zweites Beispiel: Für Rettungseinsätze auf den Halligen Hooge und Langeneß sind bislang dort stationierte Rettungspfleger allein verantwortlich. Nun erhalten sie Geräte, die Vitalparameter wie den Herzrhythmus messen und die Werte live in die Telemedizinzentrale am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel funken. Ärzte übernehmen die Einschätzung und die Behandlungsanweisungen – und auch die Haftung für die ärztlichen Maßnahmen.

Manche Vortragsthemen gehören gegenüber solchen Aspekten zu den Dauerbrennern: neue Erkenntnisse zur Sepsis und Beatmung etwa oder juristische Fragen von Therapie und Pflege. Viel Zeit widmen Referenten regelmäßig auch dem Umgang mit dem Lebensende. Wie viel Morphin ist in den letzten Stunden erlaubt, lautet diesmal ein Thema. Ein weiteres: Wie nimmt man Angehörigen Ängste etwa vor Atemveränderungen wie dem „Todesrasseln“, eine für das Sterben typische Rasselatmung?

Eine Reihe von Sitzungen und Vorträge kombinieren fachliche Ernsthaftigkeit mit Unterhaltung. Das gilt etwa für sogenannte TED-Sitzungen, in denen die Zuhörer selbst aktiv werden und über Problemlösungen abstimmen können. Auch gibt es erstmals einen „Science Slam“: Wer für seine Darstellung eines technischen Themas den meisten Applaus erntet, hat gewonnen.

Unter anderem beleuchten die Programmmacher zudem interdisziplinär Aspekte der menschlichen Gesellschaft und Kultur: Mechthild Großmann, bekannt als Staatsanwältin aus dem Münster-„Tatort“, liest Passagen aus „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, dem berühmten Schauerroman von Mary Shelley von 1818. Referenten nehmen die Texte dann aus medizinischer, ethischer und theologischer sowie philosophischer Sicht unter die Lupe. „Als Mediziner frage ich zum Beispiel, wie Frankenstein die Leichenteile für seine Kreatur beschafft und ihr Leben eingehaucht hat – der Gedanke an Leichenraub und Galvanismus liegt nahe“, sagt der Initiator der Sitzung, Professor Dr. Klaus Lewandowski aus Berlin.

Wie stets veranstalten drei Institutionen das Symposium: der Wissenschaftliche Verein zur Förderung der klinisch angewendeten Forschung in der Intensivmedizin e.V. (WIVIM), die Bremer HCCM Consulting GmbH sowie die Messe Bremen. Den Kongress begleitet eine Fachausstellung.

Mehr Informationen: www.intensivmed.de