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Schiedsrichter unter Druck

Handball-Schiedsrichter sind bei ihren Einsätzen hohen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Ob dieser Druck die Entscheidungen von Spitzen-Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern beeinflusst, untersuchen Oldenburger Sportwissenschaftler ab Januar im Projekt „Diagnostik von Schiedsrichterentscheidungen im Handball unter Belastung“. Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft fördert das Vorhaben der drei Oldenburger Forscher Prof. Dr. Jörg Schorer, Dr. Florian Loffing und Prof. Dr. Dirk Büsch über zwei Jahre mit rund 110.000 Euro.

„Schiedsrichter sollen unabhängig und neutral entscheiden. Die Frage ist, ob sie das noch können, wenn sie etwa bei einem Spiel in der Handball-Bundesliga von 15.000 Zuschauern in der Halle ausgepfiffen werden“, sagt Schorer, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft. Sein Kollege Büsch ergänzt: „Durch die Liveübertragung aller Spiele der Männer- und Frauenbundesliga, die Einführung des Videobeweises und weitere Veränderungen hat sich der Leistungsdruck auch auf die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter extrem erhöht.“ Gleichzeitig seien die konditionellen Anforderungen gestiegen, weil das Spiel dynamischer und schneller geworden sei. Die Unparteiischen, die ein Spiel in der Regel als Zweier-Gespann leiten, sollten möglichst auf gleicher Höhe mit den entscheidenden Spielaktionen sein. Sie müssen häufiger als früher sprinten, die Bewegungsrichtung ändern und ihre Beobachterposition wechseln.

Die Oldenburger Forscher planen, bei Schiedsrichter-Lehrgängen Tests durchzuführen, um beispielsweise den Einfluss von Zuschauerlärm und körperlicher Belastung zu untersuchen. An der Studie werden die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter aus den verschiedenen Kadern des Deutschen Handballbundes (DHB) teilnehmen, von Nachwuchs-Referees bis zu internationalen Schiedsrichtern. Für die Tests verwenden die Forscher fünf Sekunden lange Videos mit kritischen Spielsituationen. Die Schiedsrichter sollen sich diese Videos während eines Ausdauertests ansehen, situationsadäquate Entscheidungen fällen und dann mit dem Ausdauertest fortfahren. Insgesamt müssen sie zwanzig oder dreißig Entscheidungen treffen, während sie teilweise Strecken von mehr als 2000 Metern laufen. Die Forscher planen, diese Untersuchung mehrfach durchzuführen – mit zwei unterschiedlichen Ausdauertests und jeweils mit und ohne eingespielten Zuschauerlärm. So wollen sie herausfinden, ob die Fehlerquote mit zunehmender körperlicher Belastung steigt, wie sich eine starke Geräuschkulisse auswirkt und welche Rolle die Erfahrung der Unparteiischen spielt.

Die Forscher kooperieren bei der Studie eng mit dem Deutschen Handballbund. Die Projektergebnisse sollen in die Schiedsrichteraus- und -weiterbildung des DHB einfließen.

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