Teil 1: „Schneemänner waren noch richtige Männer“

WESERMARSCH. An den September-Tag des Jahres 2001, an dem Jumbo Jets in New Yorker Wolkenkratzer rasten, können sich viele Menschen 2017 auf Anhieb erinnern – ein entsprechendes Alter voraus gesetzt. Aber auch auf andere, weniger schreckliche Ereignisse der Geschichte trifft das zu: Hier wissen ebenfalls zahlreiche Frauen und Männer sofort, was sie damals genau gemacht und empfunden haben. Das gilt zum Beispiel für die so genannte Schneekatastrophe, die zum Jahreswechsel 1978/1979 und im Februar 1979 Norddeutschland in ein Chaos gestürzt hatte. Experten halten den Schneewinter 1978/1979 für einen der zehn schwersten norddeutschen Winter in der Nachkriegszeit.

HunteWeserNews hat nach Erinnerungen gefragt. Hier nun der erste Teil:

„Das war ein Riesenspaß!“

 

Brakes Bürgermeister Michael Kurz lebt bereits seit 1963 in der Kreisstadt. Doch die Schneekatastrophe erlebte er fernab der Wesermarsch. „Ich befand mich damals in der Ausbildung zum Polizeibeamten beim Bundesgrenzschutz in Winsen/Luhe“, erzählt er. „Damals wurden wir im Rahmen der Ausbildung eingesetzt, um auf der A7 und A1 PKW und LKW frei zu schippen.“

Henning Kaars ist der Bürgermeister-Kollege von Michael Kurz in der Gemeinde Jade. Er war zu der Zeit der Schneekatastrophe vor Ort und 14 Jahre alt. Kaars blickt zurück: „Für uns Kinder war es ein toller Spaß, obwohl wir unseren Eltern zum Beispiel beim Versorgen des Viehs helfen mussten.“ Die Kinder konnten viele Stunden im Schnee toben. Schließlich fiel die Schule für längere Zeit aus…

Klaus Wessels aus Brake bestätigt schmunzelnd: „Wir konnten Schneeburgen bauen – für die müsste man heutzutage einen Statiker kommen lassen. Und die Schneemänner waren noch richtige Männer.“

Die Elsfletherin Silke Renken verbrachte ihre Kindheit auf einem Bauernhof in Augusthausen. Sie berichtet: „Mein Vater musste natürlich die Kühe melken. Weil der Tankwagen nicht fahren konnte, gab es täglich Milch in allen möglichen Variationen.“ Die Milch sei zum Füttern der Kälber verwendet und der Rest weggegossen worden – schweren Herzens.

Wesentlich schöner war: „Die großen Söhne der Nachbarn kamen mit ihren Mofas und wir banden die Schlitten hinten daran. Das war ein Riesenspaß!“ Die großen Pfützen auf den Weiden seien hart gefroren und eine einzige Eisfläche gewesen. „Da haben wir so manche rasante Schlittenfahrt hingelegt.“ 

Unsere Serie ist in 3 Teile gegliedert:

Teil 1: „Schneemänner waren noch richtige Männer“

Teil 2: „Jeder packte mit an“

Teil 3: Helfer im pausenlosen Einsatz

 

Wie haben Sie die Schneekatastrophe erlebt? Schreiben Sie uns und zwar an: info@hwn24.de

 

Text: Thomas Klaus 2017