Pädophile, Abgassünder und der Berufsalltag

Der Kampf gegen Cybergrooming, der Fall Johanna, missbrauchende Priester und das Bemühen der katholischen Kirche um Aufklärung, das nun auch die evangelische Kirche erfasst – Pädophilie und ihre Folgen sorgen für einen steten Strom an Schlagzeilen. Die Berichterstattung beschäftigt sich mit den Opfern und empört sich über die Täter – dabei sollte sie auch andere Frage stellen: Thesen und Themen eines der Workshops im Rahmen der 15. WISSENSWERTE. Von Montag bis Mittwoch, 19. bis 21. November 2018, führt das Dialogforum Journalisten sowie Wissenschafts- und Wirtschaftskommunikatoren im Congress Centrum Bremen zusammen.

Die Teilnehmer diskutieren Entwicklungen im Wissenschaftsjournalismus, vertiefen Wissenschaftsthemen in Workshops, beschäftigen sich mit beruflichen Fragen oder lernen die Arbeit von Kolleginnen und Kollegen kennen. „Die WISSENSWERTE will mit Qualitätsdebatten und -impulsen die Filter- und Einordnungsfähigkeit des Mediensystems stärken“, erklärt Gabriele Frey, Projektleiterin bei der Messe Bremen, ein wesentliches Anliegen der Veranstaltung.

Hinsichtlich der Berichterstattung über Pädophilie etwa geht der Workshop von der Beobachtung aus, dass Ursachen und Vorbeugung vor Missbrauch „erschreckend selten“ im Fokus stünden. Die Referenten wollen etwa herausarbeiten, wie Täterprofile aussehen. Auch eine Frage: wie gesellschaftlich richtig umgehen mit Pädophilen?

Wie in diesem Zusammenhang, so gehört die Beschäftigung mit eigenen Haltungen generell in zu den großen Themen der WISSENSWERTE. Eine Diskussion zum Beispiel dreht sich um den umstrittenen Dokumentarfilm „Eingeimpft“ über die Impfung von Kleinkindern. Wie steht der Autor David Sieveking heute, ein Jahr später, zu seinem Projekt?

Abgesehen von Selbstreflexion werfen die Teilnehmer einen ebenso kritischen Blick auf den Gegenstand ihrer Profession – die Wissenschaft. Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal geriet eine Studie im Auftrag einer Lobbyorganisation der Automobilwirtschaft zur Wirkung von Stickoxid auf Menschen ins Visier. Die Einschätzung von Auftragsforschung gehört zu den Themen, die unter anderem Professor Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) und die Campaignerin Christina Deckwirth vom Berliner Verein LobbyControl diskutieren.

Neben grundsätzlichen Fragen des Metiers geht es auch um Nützliches für den Arbeitsalltag. So dreht sich eine Gesprächsrunde um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Journalisten. Eine Anwendung zum Beispiel will Namen in großen Mengen unstrukturierter Daten erkennen. Aber vielleicht bergen solche Lösungen auch Gefahren?

Die WISSENSWERTE wird von einer Fachausstellung begleitet, in der sich unter anderem Forschungseinrichtungen vorstellen. Einige von ihnen lernen die Teilnehmer auch bei Exkursionen kennen. So lädt die Universität Bremen anlässlich des „Internationalen Jahres der Korallenriffe 2018“ zu populärwissenschaftlich gehaltenen Expertenvorträgen ein. Unter anderem wirft ein Referent einen Blick auf die Weltkorallenriffkonferenz (ICRS), die 2020 in Bremen tagt.

Die Eintrittspreise für die WISSENSWERTE beginnen bei 80 Euro. Die Registrierung ist vor Ort möglich. Auf der Homepage https://www.wissenswerte-bremen.de/ gibt es weitere Informationen.

Das könnte dir auch gefallen