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Ist das Kunst oder kann das weg?/Das Schöne im Müll

Die Seefelder Mühle präsentiert Upcycling-Kunst in einer Ausstellung

Famila 2

Es ist ein Freitag, wie man ihn hier in der Wesermarsch kennt. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Regen, ein bisschen mehr Wind.

Doch nicht nur dieser Wind wehte an besagtem Freitag  die zehn Frauen in das Obergeschoss der Seefelder Pastorei. Nein, es war auch die Neugier, das Unvorhersehbare, es war die Lust aufs Kreativsein, es war der Müll und die Frage, was sich daraus noch alles machen ließe, wenn man es denn versuchte.

Meike Janßen (Kunst- und Theaterpädagogin) und Sandra Bohlken (Gründerin der MACH!bar in Berne, die von der Evangelischen Jugend Wesermarsch getragen wird) inspirierte das alles zu einem dreitägigen Workshop: Ein Upcycling-Kunstworkshop mit dem Titel: Ist das Kunst oder kann das weg?

Eine berechtigte Frage in Zeiten des schnellen Konsums und einer Leistungsgesellschaft, in der so ziemlich alles einen Nutzen haben muss.

Und genau da wollten die Leiterinnen mit ihrem Workshop ansetzen. Aus leeren Sahnebechern, Milchtüten, alten Teebeuteln, altem Kaffeepulver und benutzen Filtern, Korken, Plastikflaschen, -bechern, -gläsern, -tüten, Kornkorken, Pappe und Tüll sollten hier Kunstwerke entstehen, die aber in gemeiner Hinsicht weder einen Verwendungszweck noch besonderen ästhetischen Wert haben mussten.

Es ging darum mit dem Material – mit seiner Beschaffenheit, seiner Farbe, seinen Eigenschaften – zu experimentieren, sich davon leiten zu lassen oder sie auch bewusst für die eigenen Zwecke und Ideen zu nutzen. Und so werkelten die insgesamt 8 Teilnehmerinnen fröhlich drauf los. Es wurde geschnitten und geklebt, genäht und verdrahtet, geschmolzen und verschmolzen, gekleistert und angeordnet. Einige kamen schon von vornherein mit einer Idee in den Workshop, andere wiederum ließen sich vor Ort vom Material inspirieren. Gerade das Schmelzen des Plastikmülls mit dem Heißluftföhn, war für viele eine Besonderheit.

„Es ist total spannend zu sehen, wie das Material sich verhält, ohne dass man es beeinflussen kann, oder was passiert wenn man versucht, es doch irgendwie so hinzubekommen, wie man es gern hätte.“, sagt eine der Teilnehmerinnen. „Das gelingt aber eher selten.“, lacht sie.

Auch die beiden Workshopleiterinnen haben es sich nicht nehmen lassen in dieser Zeit, etwas Eigenes zu gestalten. „Ich habe mich schon sehr auf dieses Wochenende gefreut! In der MACH!bar mache ich aus dem Müll ja nun immer etwas mit Nutzwert. Da ist es jetzt mal sehr schön, einfach irgendwas machen zu können.“, so Sandra Bohlken.

Am Sonntag  ist der Müllberg in der Mitte des Raumes um gut die Hälfte geschrumpft und stattdessen zieren die Präsentationswand nun kleinere wie größere Arbeiten. Mal installativ, mal als Collage, mal als Bild, mal als „Kleidungsstück“ oder Tasche – die Teilnehmerinnen haben keine Darstellungsform gescheut. „Dennoch“, staunt Meike Janßen. „Es ist enorm, wie viel doch noch übrig geblieben ist.“

Das Café der Seefelder Mühle hatte vier Wochen lang all den anfallenden Müll im Cafébetrieb gesammelt, das ist noch aufgestockt worden vom Kulturverein mit all den Dingen, die sich über die Jahre im Büro und bei Veranstaltungen ansammeln. Offenbar Material genug, um damit nicht nur ein Wochenende sondern auch zwei oder drei zu füllen.

„Ich hätte auch noch ein paar Tage länger arbeiten können.“, erzählt eine andere Teilnehmerin. „Jetzt bin ich richtig im Flow. Es ist eigentlich schade, dass die Zeit schon rum ist.“

Aber ganz vorbei ist der Workshop noch nicht.

Er fügt sich thematisch passend in das Projektjahr des Kulturzentrums Seefelder Mühle („Gutes Morgen, Stadland!“) ein. Da ist es dann keine Überraschung, dass der Verein gerne die entstandenen Arbeiten in seinen Ausstellungsräumen zeigt und ihnen so auch eine Wirkung in der Öffentlichkeit ermöglicht.

Die Gruppe wird sich also kurz vor der Eröffnung noch einmal treffen, um die Ausstellung zu konzipieren und ihre Werke zu hängen. Am 3. Oktober um 19.00 Uhr in der Seefelder Mühle ist dann Jedermann herzlich zu Ausstellungseröffnung eingeladen. Sowohl ein Teil der Künstlerinnen als auch Meike Janßen und Sandra Bohlken werden zugegen, um die Arbeiten zu präsentieren und bei kleiner Verköstigung noch die ein oder andere Frage zum Workshop oder einem Werk zu beantworten.

Und auf was können sich die Besucher noch freuen? In jedem Fall auf ganz viel Kunst, die zum Wegschmeißen viel zu schade wäre.

Eröffnung: Mittwoch, 3. Oktober 2018 um 19.00 Uhr, Ausstellung bis zum 13. Januar 2019.

Die Ausstellung ist bis Ende Oktober täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Ab dem 01.11.2018 ist die Ausstellung bis Jahresende samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.